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Ausstellungsbesuch von Olivier Theyskens
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    Ausstellungsbesuch von Olivier Theyskens

    „Nein. Nicht bekannt.“ Kopfschütteln und Ratlosigkeit bei so manchem
    AMD-Studierenden auf die Frage nach Olivier Theyskens noch vor einigen Wochen in Düsseldorf. Zugegeben, er hat nicht den großen Klang der traditionsschweren
    Haut-Couture-Häuser oder anderer belgischer Kollegen, doch der
    Belgier Olivier Theyskens hat seinen festen Platz in der Modeszene. Und so bot sich die aktuelle Ausstellung des Modemuseums in Antwerpen an, Aufklärungsarbeit in Sachen Mode zu leisten und darüber hinaus den nachbarschaftlichen Austausch zu fördern. Im Doppelstockbus ging es mit über 50 Studierenden und vier Dozenten über die Grenze. Für viele Studierende aus den Studiengängen
    Mode- und Designmanagement (B.A.), Mode Design (B.A.) und dem Ausbildungsgang Modejournalismus/Medienkommunikation war es der erste Kontakt mit der belgischen Hafenstadt und ihrer Modegeschichte.

    In drei Gruppen mit englischsprachiger Führung näherte man sich in der Ausstellung „Olivier Theyskens – She walks in Beauty“ dem Werk und dem Wirken des nach außen so zerbrechlich wirkenden Designers. Olivier Theyskens ist ein Autodidakt.
    Zudem ist er ein Genie, dem man nach zwei Jahren an der École Nationale Supérieure des Art Visuels in Brüssel nahelegte zu gehen, weil man ihm nichts mehr beibringen konnte. Die Ausstellung im Antwerpener Modemuseum führt nun sein 20jähriges Schaffen zusammen, zeigt seine Fähigkeit, sich auf Kunden einzustellen, seine handwerklichen Stärken, seine persönlichen kreativen Wurzeln und vor allem auch sein zeichnerisches Talent in einer Vielzahl von Entwürfen, die die Schaustücke begleiten. Düster, geheimnisvoll und Gothic-inspiriert sind seine Erstlingswerke von 1997, mit denen er das internationale Parkett betritt. Grandios verarbeitet er Leinentücher seiner Großmutter, so dass Madonna auf ihn aufmerksam wird. Verkaufen will er nicht. Die Lingerie als Inspirationsquelle und das Handwerk der Haute-Couture als seine technische Leitplanke sind seine Stützpfeiler.
    Die Spitze, die Haken, die Ösen, die Schnürungen – auch beim Relaunch seiner Kollektion 2016 setzt er diese Elemente wieder ein. Er spielt mit der Romantik und der Leichtigkeit. Seine Stoffe fliegen, schmeicheln und manchmal provozieren sie gerade deswegen. Seine Schnittführung unterstreicht den weiblichen Körper, er weiß ihn aber auch zu überhöhen.

    Aber Theyskens steht nicht nur die schöpferische Macht eines Designtalents, sondern auch für den Kampf mit der harten Realität dieser Branche, bei der es neben dem Glamour um Kommerz und Profite geht. Nach 9/11 zog sich der französische Geldgeber von Theyskens zurück. Die eigene Kollektion musste er Anfang 2002 begraben. Es folgten Stationen beim Brüsseler Opernhaus, bei Rochas, Nina Ricci und schließlich Theory, dessen künstlerischer Direktor er wurde. Auszüge aus diesen Kollektionen zeigen, wie sehr er sich die Philosophie der Häuser zu eigen macht und sich einlassen kann. Er weiß extreme Silhouetten unter Verwendung kompakter Stoffe zu inszenieren und doch sind es zum Beispiel die eleganten Rochas-Kleider im Stil der 20er-Jahre, die Theyskens Spirit tragen. Er, der Perfektionist, hat übrigens schon mal eine Stunde in dieser Ausstellung gewerkelt bis eine Rochas Clutch so auf ihrem Podest lag, wie er es sich vorstellte. Auch das ist Theyskens.

    Und dann wandert der Blick zu seinen Nina-Ricci-Exponaten: so frivol, so frech, immer feminin und doch selbstbewusst. Immer wieder reizt der das Spiel mit den Volants aus, die auch schon mal an der Innennaht der Hose beginnen, sich um den Körper winden und das er so perfekt beherrscht.
    Dann die Ruhe, der Minimalismus, Prêt-á-Porter ohne Allüre bei Theory. Hier schafft er wunderbare Alltagslooks. Nicht gewöhnlich, aber auch nicht „aufbäumend“. Und doch ist es nicht seine Heimat. 2014 verließ der Belgier Theory und begann mit dem Wiederaufbau seiner eigenen Marke. Im September 2016 zeigte er nach fünfzehn Jahren seine erste Damenkollektion.

    Die Studierenden fotografierten, staunten, diskutierten. Olivier Theyskens und seine Mode sind jetzt „gespeichert“. Und sie haben ein Stück Antwerpen kennengelernt. „Das gute Essen, die Straßenschilder, die Ausstellung – es hat sich wirklich gelohnt“, hieß es unter anderem als man sich abends am Bus wiedersah. Und auch die Sorge, dass nach diesem Tag im Portemonnaie Ebbe herrschen würde, war – zumindest offiziell- unbegründet, trotz so mancher Einkaufstüte.

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